Rom im August? Non sì fa…

By Posted in - Italien & Rom & trips à porter on August 24th, 2014 0 Comments Rom Kuppeln im Sonnenuntergang

… das macht man nicht, zumindest nicht, wenn man Römer ist.

Rom Kuppeln im Sonnenuntergang

Der Römer brutzelt jetzt am Meer, am glasklaren Strand von Sardinien oder wo auch immer, aber auf gar keinen Fall in Rom! Die Römer, die das Unglück trifft im August arbeiten zu müssen, stöhnen von früh bis spät, c`è tanta afa, es ist furchtbar schwül! Und so sind es nur die doofen Touristen wie ich, die man jetzt am Kolosseum, dem Forum Romanum oder am Petersplatz antrifft. Ich bereue alles und sehne mich an den Nordpol.

In der Stadt ist es wirklich brüllend heiß, fast jede Bar und jedes Restaurant hat geschlossen. Ich bin ja eigentlich nach Rom gekommen, weil es angeblich im August in Rom nicht so voll ist. Das hat sich leider als komplettes Märchen herausgestellt. Die Touristen sind in Rom eingefallen, wie früher die Vandanlen. In der Metro einen Sitzplatz zu ergattern ist fast genauso unmöglich, wie einen Sechser im Lotto zu haben. Natürlich lasse ich mich davon nicht abhalten, schließlich bin ich mit dem Ziel nach Rom gekommen, mir die Sixtinische Kapelle anzusehen und wenn ich schonmal in der Nähe bin, kann ich genauso gut noch eben schnell im Petersdom vorbeispringen.


Schade, dass ich kein Kamel bin

Die Schlange der Wartenden geht nur den halben Petersplatz herum, meine Chancen vor Sonnenuntergang eingelassen zu werden stehen gar nicht schlecht. Vorsichthalber hatte ich drei Flaschen Wasser mitgeschleppt, die ich in meiner Gier aber schon nach einer Stunde ausgetrunken habe. Ich könnte sie an einem der unzähligen Brunnen, die Trinkwasser führen, problemlos wieder auffüllen, aber dann wäre mein Platz in der Schlange weg,  da durste ich lieber weiter. Die Zeit, während ich mir die Beine in den Bauch stehe, nutze ich um Photos zu machen, andere nutzen sie zum Beten.

Petersplatz in Rom, Nonne beim Gebet
Schon nach zwei Stunden Wartezeit, darf ich nach einem minutiösen Sicherheitscheck die heiligen Hallen betreten.

Das viele Photographieren erweist sich als äußerst unklug, denn als ich endlich das Innere des Petersdoms betrete, ist mein Akku leer und mein Ersatzakku liegt brav im Hotel, was für ein Desaster!

Dafür ist es drinnen wundervoll kühl und ich bin sofort von der imposanten Architektur der Peterskirche in Bann gezogen. Gleich rechts neben dem Eingang begeistert mich die Pietà,  auch  die Kuppel von Michelaneglo ist atemberaubend. Durch die Fenster der Kuppel sehe ich derart farbenprächtige Lichtspiele, dass ich mir vorkomme wie auf einem LSD Trip.

Hier stehe ich nun in der größten Kirche der Christenheit, nicht dass ich katholisch wäre aber ich zünde vorsichtshalber an einem der unzähligen Altäre eine Kerze an, es kann ja nicht schaden, oder?
Die anderen zehntausend Touristen ignoriere ich tapfer.
Dann fahre ich mit dem Fahrstuhl (sardinenvoll) bis zum Kuppelrand, der Flüstergalerie, und wandle dort ein Weilchen herum (In Wahrheit wandle ich nicht, sondern lasse mich schubsen und zerquetschen).


Stairway to heaven

Es geht immer noch ein bisschen schlimmer. Ich mache mich heroisch auf, um bis ganz nach oben zu steigen. Für das letzte Stück gibt es keinen Aufzug, da muss man zu Fuß hin. Na und, denke ich mir, die 320 Stufen, das mache ich doch mit links. Immerhin war ich schon auf dem Kölner Dom und musste 514 Sufen bis zum Glockenspiel zurücklegen, dagegen sind 320 Stufen ein Klacks. Die Treppen sind ziemlich eng und gewunden, aber was macht das schon, die 500 Leute vor mir und die 500 Leute hinter mir, schaffen das ja auch. Anhalten auf der Treppe ist natürlich unmöglich, ich glaube die Leute würden einfach über einen hinwegtrampeln, wie eine wildgewordenen Kuhherde. Dann kommt die Wendeltreppe und hier wird es echt abenteuerlich, man kann sie nur mit Hilfe eines Seils besteigen.

Zur Belohnung gibt es einen ganz zauberhaften Blick über den Vatikan und Rom vom Aussenumgang. Ich lerne zu schubsen und drängeln, weil ich anders nicht in den Genuss kommen würde, auch nur einen einzigen Blick auf Rom zu erhaschen. Ich kann mich nur schwer von der Aussicht trennen, aber die Sixtinische Kapelle lockt.


Hier wird der Papst gewählt

Die Sixtinische Kapelle ist die Palastkapelle des Vatikans, hier findet das Konklave statt. Sie ist Teil des Vatikanischen Museums und auch hier gelingt es mir schon nach ungefähr zwei Stunden Wartezeit hinein zu gelangen. Es gibt leider keine Möglichkeit nur die Sixtinische Kapelle zu besuchen, man muss durch das ganze Museum hindurch – und das ist eine tour de force. Ich möchte doch nur Michelangelos Fresken bewundern, aber keine Chance.

Die Kapelle ist der Wahnsinn, die Deckenfresken sind wunderschön nur leider kann ich sie kaum geniessen. Eigentlich müsste ich den Kopf in den Nacken legen, um an die Decke zu sehen, aber sobald  ich das versuche, hänge ich unter Garantie mit meinen Haaren im Gesicht meines Hintermanns oder Frau oder Kind. Von andächtigem silenzio keine Spur, es ist laut wie auf dem Jahrmarkt, wie schade.

Ob sich das alles gelohnt hat??? Auf jeden Fall, ich komme wieder und dann mit Ersatzakku und noch mehr Wasser. Ach ja… sempre Roma!

 

Infos
Petersdom
Metrolinie A (Richtung Battistini an der Station Ottaviano aussteigen)
Eintritt frei
Lift zur Kuppel kostet 7,- €
Treppe zur Kuppel 5,-€
Fahrzeiten April – Sept. tgl. 8-18 Uhr./Okt. – März tgl. 8-17 Uhr
ACHTUNG: man darf den Petersdom nur mit Kleidung über den Knien und Schulter-bedeckt betreten.

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